Kystro-Redaktionshinweis
Hammershus liegt im Norden Bornholms auf einer felsigen Anhöhe rund 70 Meter über dem Meer. Die Ruine gehört zu einer Landschaft, deren sichtbares Gestein nach Angaben der dänischen Naturverwaltung aus etwa 1,4 Milliarden Jahre altem Granit besteht. Eiszeiten formten die Oberfläche der Insel über sehr lange Zeit; im nördlichen Teil Bornholms treten die Felsen vielerorts offen hervor. Hammershus ist deshalb nicht nur als mittelalterliche Anlage zu verstehen. Der Ort verbindet die Geschichte einer Festung mit einer besonderen Küsten- und Felslandschaft, in der auch viel ältere Spuren menschlicher Nutzung erhalten sind. In der Umgebung von Hammersholm und Madsebakke gibt es beispielsweise bronzezeitliche Felsritzungen mit Schälchen, Schiffen, Radkreuzen, Pferden und Fußspuren. Diese Hinweise gehören zeitlich nicht zur Burg, zeigen aber, dass die Gegend weit vor dem Mittelalter genutzt und geprägt wurde.
Archäologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass Hammershus um 1300 entstand. Die Naturverwaltung nennt Erzbischof Jens Grand als wahrscheinlichen Bauherrn. Zu dieser Zeit gehörten große Teile Bornholms der Kirche, während es zugleich über lange Zeit Spannungen zwischen Kirche und dänischer Krone gab. Hammershus nahm in diesem Konflikt eine strategische Rolle ein. Die Burg wechselte nach Angaben der Quelle zeitweise den Besitzer, fiel jedoch wieder an die Kirche zurück. Für die Geschichte der Anlage ist dieses Verhältnis wesentlich: Hammershus war nicht nur ein Wohn- oder Verwaltungsort, sondern ein Machtzentrum, von dem aus Besitzansprüche und Herrschaft auf Bornholm abgesichert werden sollten.
Im 16. Jahrhundert änderte sich die politische Situation mehrfach. 1522 kam Hammershus kurzzeitig an die Krone. Bereits 1525 wurden Bornholm und die Burg für 50 Jahre an die Hansestadt Lübeck gegeben, und zwar als Sicherheit für ihre Unterstützung. Lübeck und die Hanse prägten den Handel im Ostseeraum; auf Bornholm spielte der Heringshandel eine wichtige Rolle. Die neuen Machthaber bauten Hammershus aus. Dafür wurde die Bevölkerung laut Naturverwaltung sowohl mit Sachleistungen als auch mit Arbeitsleistungen belastet. Die Unzufriedenheit mündete 1535 in einen Aufstand, der scheiterte. Als die vereinbarte Zeit abgelaufen war, kehrten Bornholm und Hammershus 1575 zur dänischen Krone zurück.
Danach war Bornholm ein dänisches Lehen, dessen Lehnsherr für den Unterhalt der Burg aufkommen musste. Die Quelle beschreibt, dass Hammershus in dieser Zeit langsam verfiel und die Verteidigung schwächer wurde. Artillerie wurde nicht ersetzt; 1610 bestand die Garnison nur noch aus 13 Männern. Diese Entwicklung fiel in eine Epoche militärischer Konflikte zwischen Dänemark und Schweden. Im Torstenssonkrieg wurde Hammershus zusammen mit dem übrigen Bornholm eingenommen, später jedoch im Friedensschluss zurückgegeben. Noch einschneidender war das Jahr 1658: Bornholm wurde zusammen mit Schonen, Halland und Blekinge an Schweden abgetreten. Im selben Jahr regte sich auf der Insel Widerstand. Die Aufständischen nahmen zunächst den schwedischen Kommandeur in Rønne gefangen; nach weiteren Ereignissen und Verhandlungen ergaben sich die schwedischen Truppen auf Hammershus. Bornholm hatte sich damit von der schwedischen Besetzung befreit.
Mit der zunehmenden Bedeutung von Kanonen verlor die mittelalterliche Festung ihre militärische Funktion. Hammershus war nicht für diese Art der Verteidigung gebaut. Der König ließ auf Christiansø eine neue, zeitgemäße Festung errichten. Hammershus diente anschließend noch für eine Zeit als Staatsgefängnis und Verwaltungszentrum. 1743 wurde die Anlage endgültig aufgegeben. Teile von Stein und Ziegeln wurden abgetragen und für andere Gebäude auf Bornholm verwendet. 1822 erklärte man Hammershus zum nationalen Denkmal; zu diesem Zeitpunkt war die Anlage bereits Ruine.
Ein Besuch bei Hammershus lässt sich daher als Begegnung mit mehreren historischen Schichten verstehen: der mittelalterlichen Auseinandersetzung zwischen Kirche und Krone, der Lübecker Herrschaft, dänisch-schwedischen Kriegen, dem Bedeutungsverlust älterer Befestigungen und der späteren Denkmalpflege. Die Ruine und ihre Umgebung geben keine pauschale Antwort auf jedes Detail der Vergangenheit, machen aber die politische und landschaftliche Bedeutung dieses Ortes nachvollziehbar. Aktuelle Hinweise zu Zugang, Öffnungszeiten, Führungen, Eintritt oder Veranstaltungen sollten immer direkt bei den zuständigen Stellen geprüft werden, da sie sich ändern können.
Redaktionelle Quelle: Danish Nature Agency / Naturstyrelsen · Quelle geprüft: 19.08.2026
