Kystro-Redaktionshinweis
Den Gamle By in Aarhus ist ein Freilichtmuseum, das dänische Stadtgeschichte nicht über ein einziges Bauwerk erzählt, sondern über einen ganzen begehbaren Stadtraum. Die Anlage verbindet Häuser, Höfe, Läden, Wohnungen, Werkstätten und öffentliche Räume. Dadurch entsteht kein abstrakter Überblick aus Jahreszahlen allein. Besucherinnen und Besucher können vielmehr nachvollziehen, wie sich Alltag, Handel, Wohnen, Verkehr und Stadtbild in unterschiedlichen Zeiten verändert haben. Der historische Kern ist als kleine dänische Marktstadt angelegt. Die dort gezeigten Gebäude stammen aus verschiedenen Städten Dänemarks und wurden im Museum wiederaufgebaut. Für Kystro ist das besonders relevant, weil der Ort nicht nur für kunst- oder geschichtsinteressierte Reisende geeignet ist, sondern auch Familien und Stadturlaubern einen verständlichen Zugang zu dänischer Alltagsgeschichte bietet.
Das Museum arbeitet mit mehreren Zeiträumen. Nach VisitAarhus begegnen sich in Den Gamle By die Jahre 1864, 1927, 1974 und 2014. Diese Einteilung macht deutlich, dass Stadtgeschichte nicht als abgeschlossene Vergangenheit verstanden wird. Auch jüngere Jahrzehnte werden als Teil der historischen Erinnerung gezeigt. Der älteste Bereich führt in eine Welt von Fachwerkhäusern, Gärten, Wohnhäusern, Läden und Handwerksbetrieben. Dabei ist wichtig, die Anlage nicht mit einer erhaltenen Altstadt von Aarhus zu verwechseln. Die Häuser wurden aus unterschiedlichen dänischen Orten zusammengeführt und am Museumsstandort wiederaufgebaut. Gerade diese Zusammensetzung erlaubt es, städtische Bau- und Lebensformen aus mehreren Regionen vergleichbar zu machen.
Eine besondere Rolle spielt der Bereich von 1927. Die offizielle Museumsseite beschreibt eine Stadt, die modern wird: Gehwege, Straßenlaternen, öffentliche Telefone und farbige Giebelwerbung prägen das Bild. Läden sind dabei nicht bloß Kulisse, sondern Teil der Erklärung, wie Konsum und Dienstleistungen in den Stadtraum einzogen. Genannt werden unter anderem Eisenwarenhandel, Buchladen, Schou’s Seifenhaus, Modegeschäft, Telefonzentrale und Autohandel. Der Abschnitt erklärt damit nicht nur technische Veränderungen, sondern auch die wachsende Bedeutung von Warenhäusern, Kommunikation und motorisiertem Verkehr. Wer durch diesen Teil des Museums geht, kann die 1920er Jahre als Übergang zwischen älteren Marktstadtstrukturen und einer stärker modernen Stadtgesellschaft einordnen.
Die Darstellung der 1970er Jahre setzt den Alltag in Wohnungen, Höfen, Geschäften und Werkstätten fort. VisitAarhus nennt Straßen, Häuser, Läden und Wohnformen aus diesem Jahrzehnt und verweist dabei auf unterschiedliche Lebenssituationen wie Kernfamilie, Wohngemeinschaft, Hippiepaar und alleinerziehende Mutter. Damit rückt das Museum nicht nur Architektur in den Vordergrund. Es zeigt auch, dass sich Familienbilder, Wohnformen und Konsumgewohnheiten verändern. Der Bereich für 2014 erweitert diese Perspektive noch einmal. Eine Straße mit Ladenfassaden und Wohnungen stellt eine deutlich jüngere Gegenwart aus, in der individuelle Biografien und Alltagsroutinen ebenfalls als sammlungswürdig gelten. Das Museum fragt damit indirekt, wann Gegenwart zu Geschichte wird.
Neben den Straßenräumen gibt es in Den Gamle By weitere Ausstellungen und Sammlungsbereiche. Die offizielle Museumsseite nennt unter anderem ein Plakatmuseum, eine unterirdische Ausstellung zur Aarhuser Geschichte von der Wikingerzeit bis heute sowie Sammlungen zu Silber, Uhren, Schmuck und Spielzeug. Hinzu kommt die Geschichte des Hauses aus Hjørring, an der das Versetzen eines Gebäudes und die materiellen Spuren alten Wohnens erläutert werden. Diese Themen zeigen, dass der Ort mehr als eine Ansammlung dekorativer Fassaden ist. Gebäude, Gegenstände und Gebrauchsspuren werden als Quellen behandelt, aus denen sich soziale und materielle Geschichte erschließen lässt.
Die Vermittlung im Freilichtmuseum ergänzt die Architektur durch historische Tätigkeiten und Rollen. VisitAarhus beschreibt Menschen in zeittypischer Kleidung, die kochen, Holz hacken, handwerklich arbeiten oder in Läden bedienen. Dadurch werden einzelne Gebäude nicht nur betrachtet, sondern als frühere Funktionsorte verständlich. Ein Besuch lohnt sich besonders dann, wenn man die verschiedenen Zeiträume miteinander vergleicht: Welche Form von Werbung ist sichtbar, welche Verkehrsmittel treten auf, wie verändern sich Läden, Wohnungen und technische Einrichtungen? Aktuelle Angaben zu Zugang, Öffnungszeiten, Eintritt, Führungen und Veranstaltungen sollten immer direkt bei Den Gamle By geprüft werden, weil sie sich ändern können.
Redaktionelle Quelle: Den Gamle By / VisitAarhus · Quelle geprüft: 19.08.2026
